Wir kommen abends im Regen in Kochi an. Mit dem Taxi zur Unterkunft in Fort Kochi. Das ist der alte Teil Kochis, der bis auf die Zeit Vasco da Gamas zurückgeht. Wir werden am nächsten Tag sein Grab besuchen, welches aber schon seit 1538 leer ist. Sein Sohn hatte ihn nach Portugal zurückgeholt. Die Unterkunft ist einfach, aber ich schlafe gut. Lisa hat sich im Zug erkältet und hat eine deutlich schlechtere Nacht. Wir verschlafen fast das Frühstück. Wir buchen für kleines Geld eine TukTuk Tour durch Fort Kochi, was sich als lohnenswerte Entscheidung herausstellt. Wir sehen die wichtigsten Touri-Spots und können so für den nächsten Tag unseren eigenen Ausflug starten. Bis zum Fort und zur touristischen Princess Street können wir laufen oder wahlweise das TukTuk nehmen.
Kochi ist eine kleine Oase der Ruhe. Hier gibt es was zu sehen, Kirchen, das alte Fort, die Küste mit Stränden ohne Sand, kleine Stände mit Andenken, Streetfood, Historisches und sogar Cafés und Restaurants mit europäischer Speisekarte, vegetarische Restaurants genauso wie Pizza oder Shoarma.
Hier kann man tatsächlich ein paar Tage Pause machen. Auf dem Festland in Ernakulam gibt es übrigens noch jede Menge Einkaufsmöglichkeiten, auf die wir aber auf Grund der knappen Zeitplanung verzichten. Hier ein paar Eindrücke vom „Strand“, den chinesischen Fischernetzen, ein paar historischen Gebäuden, eine Motorradwerkstatt am Straßenrand, eine Wäscherei, die schon die holländischen Uniformen gewaschen hat und was sonst noch so ins Auge stach.


Tschüss Kochi, weiter geht in die Backwater nach Munroe Island.
Der Plan – und wie so oft kommt es dann doch anders.
Wir hatten im Reiseführer gelesen, dass ab Alleppey eine staatliche Fähre acht Stunden lang durch die Backwaters bis nach Kollam geht. Kollam liegt direkt gegenüber von Munroe Island und somit wäre dies der ideale Trip für den nächsten Tag. Dazu noch zum unschlagbar günstigen Preis. Um auf Nummer sicher zu gehen, die Fähre war während der Corona Pandemie eingestellt worden, bitten wir im Homestay erstens abzuklären, ob sie aktuell fährt und zweitens dorthin ein Taxi zu bestellen. Alles klar war die Antwort, Taxi ist bestellt, Preis ist ok, Fähre geht! Somit geht es am nächsten morgen mit einem Taxifahrer, der nicht routenfest ist, Richtung Fähre. Ich muss immer zwischendurch mein Handy herausholen um die Route zu bestätigen. Dann muss ich ihm noch die Telefonnummer der Fährlinie raussuchen. Nach einem Telefonat und ein paar irritierenden Aussagen auf unverständlichem Englisch erreichen wir schließlich die Fähre eine knappe halbe Stunde vor Abfahrt. Wir hatten schon geahnt, dass da was schief läuft und jetzt wird es zur Gewissheit. Die Fähre bedient nicht die ganze Strecke, sondern nur ein erstes Stück. Da stehen wir in Alleppey und haben noch fast 100 Kilometer vor uns. Glücklicherweise können wir mit dem Fahrer vereinbaren, dass er uns nach Munroe Island zu unserer nächsten Unterkunft bringt. Da es Lisa, die seit ein paar Tagen schwächelt immer noch nicht besser geht, ist es vielleicht sogar eine Fügung des Schicksals.
Munroe Island begrüßt uns mit feuchter Schwüle, den schlechtesten Straßen, die wir bislang in Indien hatten und mit einer picobello Unterkunft. Weit und breit kein Restaurant und nur Dorfleben verstreut zwischen Kanälen und Palmen. Ruhe und nochmals Ruhe unterbrochen vom Singsang aus dem Tempel, von bellenden und jaulenden Hunden und vom Geschrei der Raubvögel, die auch hier in großer Zahl durch den Himmel gleiten. Es ist auf den ersten Blick nicht die Idylle, die wir erwartet haben. Es ist so wie fast überall in Indien, es feht ein wenig Farbe, einige Häuser und Hütten erwarten den Verfall und dazwischen die ein oder andere Prachtvilla. Dies soll für die nächsten vier Tage unser Domizil werden, noch nicht ahnend , dass es wohl noch ein paar Tage mehr werden. Wir entspannen uns erstmal und lassen uns von den Beiden am Abend lecker bekochen.

Lisa hält noch zwei Tage durch, oder soll ich besser sagen, sie drückt sich vor dem Krankenhaus, das uns Govind vom ersten Tag an empfiehlt, und nach einer letzten Nacht ohne Schlaf mit Fieber und Erbrechen ist es soweit. Wir fahren morgens mit Govind zum Hospital. Nach unseren Erfahrungen mit Krankenhäusern im Ausland eine schwere Entscheidung, aber nicht mehr vermeidbar. Wir treffen auf ein kleines von einem katholischen Schwesternorden geleitetes Krankenhaus. Wir snd überrascht, wie freundlich und sauber hier Alles ist. Die leitende Ärztin Schwester Lillian kümmert sich sofort um Lisa, nimmt Blut- und Urinprobe und nach einer halben Stunde sind die Laborwerte da. Eine heftige bakterielle Blaseninfektion mit hohem Fieber setzt unseren Aktivitäten ein Ende. Dabei hatten wir schon ein paar Ayurveda Massagen und eine Bootstour in den Sonnenuntergang hinter uns und weitere Ayurveda Anwendungen und Touren geplant. Glücklicherweise braucht Lisa nicht im Krankenhaus bleiben. Morgens und Abend fahren wir mit dem TukTuk dorthin zur Antibiotika Injektion und zusätzlich morgens zwei Infusionen.
So lernen wir im Laufe der nächsten Tage unsere liebevollen Pflegekräfte kennen. Dr Lillian kommt oft zu uns und wir sind alle froh ein paar Worte in Deutsch zu reden. Wir erfahren eine Menge über dei Arbeit der Schwestern und Pflegekräfte hier im Hospital, dürfen uns Alles ansehen. Die Schwestern arbeiten hier 24/7. Im Angesicht dessen, was und wie sie hier mit den Kranken arbeiten wird man zwangsläufig demütig. Schwester Pushpa knüpft ein inniges Band mit Lisa und am dritten Tag besuchen wir mit ihr das Altersheim, eine ganze Etage in der ersten Etage des Krankenhauses. Hier sind zur Zeit 13 alte Menschen untergebracht. Zwölf Frauen, von denen vier noch mobil sind und der alte Küster, der nach einem Unfall bettlägrig ist. Wir begrüßen Alle und Pushpa erzählt zu jedem Bewohner deren Geschichte, erklärt ihren Gesundheitszustand. Wir schauen in lächelnde Gesichter, wir sehen Menschen abgemagert bis auf die Knochen und ein Frau, die im Sterben liegt. Aber das Ergreifenste für mich ist, wie liebevoll Pushpa und Lisa mit den alten Leutchen reden, ihre Wangen streicheln. Lisa und Pushpa tauschen sich über Tipps zur Pflege aus und diese Momente sind so besonders, dass man sie kaum beschreiben kann.

Wir machen noch eine abschließende Bootstour, auf der uns Govind begleitet, wir verabschieden uns mit einem langen Gespräch von Dr Amrutha und ihrem Mann vom Ayuryoga Bliss, besuchen noch eine Ölmühle für Kokosnussöl, vergießen ein paar Tränen beim Abschied von Dr Lillian und Schwester Pushpa und besuchen Govind mit seiner Frau und Töchterchen.


Als wir zurück zum Homestay und zum Taxi gehen, stellen wir fest, dass uns jetzt fast alle Menschen am Rande grüßen und dass man nach einer Woche schon engere Bande an einen Ort und deren Menschen knüpft. Munroe Island wir sich touristisch entwickeln, hier wird es bald befahrbare Straßen geben, Restaurants werden eröffnet und Teile der Insel werden weiter im Wasser versinken. Zeit für uns, sich zu verabschieden. Diesmal aber werden wir Menschen in unserem Herzen mitnehmen und Kontakt zu ihnen halten.

Heute ist unser letzter Tag in Kerala. Wir sind gestern Nachmittag im Homestay in Trivandrum angekommen. Das kleine Hotel ist eine Perle direkt zwischen dem Meer und dem Flughafen. Wir haben einen Balkon mit direktem Blick auf das arabische Meer.

Es könnte so schön sein, wenn… Das Hotel liegt am Ende der Straße, Müll und Plastikabfälle säumen den Straßenrand und den Strand. Wir laufen durch das Viertel, wie immer links eine prächtige kleine Villa, umrankt von Blüten und rechts die Außenmauern eines zerfallen Gebäudes inmitten eines verwilderten Grundstücks. Auf den Stufen ihrer Häuser sitzen Frauen beim Nachbarschaftsschwätzchen und grüßen uns freundlich.
Gestern abend waren wir an der Strandpromenade zum Sonnenuntergang. So viele Menschen, die entspannt in die untergehende Sonne blickten. Fischer bis zur Brust im Wasser, die ihre Netze auslegten und wieder einholten. Ein trauriger Anblick bei all dem Müll am Strand.

Essen in einem der Fischrestaurants. So frisch bekommen wir den Fisch nicht mehr geboten. Wir entscheiden uns für einen roten Zackenbarsch. Zubereitet zur Hälfte mit einer Knoblauch Würze und die andere Hälfte Piri Piri, also scharf. So richtig. Dazu Topanimbur und ein scharfes Fischcurry. Reismehlknödel und Dosa.

Zum Abschluss fahren wir noch mit dem TukTuk in die Stadt und spazieren um das East Fort. Wir gehen entlang der Mauern des Padmanabhaswamy (kaum auszusprechen) Tempels und werfen ein paar Blicke durch die Tore. Der Zugang ist Nichthindus verwehrt und die Bekleidungsvorschriften noch strenger als in anderen Tempeln. Für Männer nur im Tempeldhoti in weiß oder schwarz. Hemden oder Hosen sind nicht erlaubt.

Wir streunen noch ein wenig durch die angrenzenden Marktgeschäfte, gönnen uns an einem Stand einen Ananas-Orangensaft mit einem Cutlet (Gemüsebratling) und einem Hefeteilchen in süß. Danach mit dem TukTuk zum Strand, diesmal ein Eckchen, welches unsere Augen mit Blick auf die ablegenden Fischerboote versöhnt. Wir gönnen uns schon mal das Abenddinner mit ein paar Säften.

Es wäre zu schön gewesen, eine zweite Nacht mit ungestörtem Schlaf. Stattdessen haben wir neue Zimmernachbarn. Die schlafen zwar, aber die Klimaanlage ist direkt an der Wand über unserem Bett angebracht. Nachdem ich dreimal alles um unser Zimmer herum abgesucht hatte konnte ich das Dröhnen endlich lokalisieren. Dann nach einer halben Stunde, wie ein Wunder ist das Dröhnen vorbei. Bevor ich dann endlich nach einer Zeit in den Schlaf falle, beginnt das Dröhnen wieder. Die Klimaanlage steht auf Automatikmodus und das begleitet uns dann die Nacht. Der Morgen beginnt um sechs mit leichtem Regen und etwas kühleren Temperaturen und es geht mit dem Taxi zum Flughafen.